Gedanken, Wissen und Impulse
Wahrnehmung
Manches zeigt sich leise, manches laut.
Nicht auf den ersten Blick.
Und oft erst dann, wenn wir stiller werden.
Im Zusammenleben mit Kindern ist Wahrnehmung ein fortlaufender Prozess –
fein, vielschichtig und immer in Beziehung.
Kinder nehmen ihre Welt mit dem ganzen Körper wahr.
Über Bewegung, Berührung, Geräusche, Gerüche, Nähe und Abstand.
Sie spüren, bevor sie benennen können.
Sie reagieren, bevor sie verstehen.
Und sie zeigen uns oft sehr deutlich, wenn etwas zu viel oder zu wenig ist.
Dies äußert sich nicht immer ruhig.
Manchmal zeigt es sich in Unruhe, Rückzug, Lautsein oder Bewegung.
Nicht als Absicht – sondern als Ausdruck.
Aus pädagogischer Sicht ist Wahrnehmung die Grundlage für Entwicklung.
Sie ermöglicht Orientierung, Selbstregulation und Beziehung.
Kinder ordnen ihre Erfahrungen über ihre Sinne.
Sie sammeln Eindrücke, verarbeiten sie – und reagieren darauf auf ihre ganz eigene Weise.
Diese Prozesse verlaufen individuell.
Nicht jedes Kind nimmt gleich wahr.
Nicht jedes Kind braucht das Gleiche.
Wahrnehmung ist kein Defizit und keine Leistung.
Sie ist ein fortwährender, lebendiger Prozess.
Im Familienalltag zeigt sich unterschiedliche Wahrnehmung oft dort,
wo etwas nicht „funktioniert“.
Wenn Anziehen schwierig wird.
Wenn Geräusche zu viel sind.
Wenn Nähe gesucht oder abgelehnt wird.
Statt zu korrigieren, darf zuerst beobachtet werden.
Was zeigt sich gerade?
Was braucht Raum?
Was darf langsamer werden?
Oft verändert sich etwas,
wenn wir weniger eingreifen
und mehr wahrnehmen.
Lasst uns einmal Weiterdenken:
Was würde sich verändern,
wenn wir Verhalten nicht bewerten,
sondern als Ausdruck von Wahrnehmung verstehen?
Was zeigt sich dann?
Wahrnehmung lässt sich nicht beschleunigen.
Sie entfaltet sich dort,
wo Zeit, Beziehung und Vertrauen Raum bekommen.
Teile deine Gedanken dazu gerne mit mir und anderen Mamas beim Baby-Circle.
Ein Raum für Austausch, Wertschätzung und Entwicklung.
Berührung
Berührung ist oft das Erste, was wir erfahren.
Und manchmal das Letzte, was Worte ersetzen könnten.
Im Zusammensein mit Kindern geschieht Berührung ständig –
bewusst und unbewusst,
flüchtig und haltend.
Kinder erfahren die Welt über ihren Körper.
Über Hautkontakt, Nähe, Abstand und Bewegung.
Berührung kann Sicherheit geben.
Sie kann verbinden.
Und sie kann auch zu viel sein.
Kinder zeigen sehr fein,
wann sie Berührung suchen
und wann sie Raum brauchen.
Manchmal klar, manchmal leise.
Berührung ist immer Beziehung.
Berührung ist ein zentrales Element von Entwicklung.
Sie unterstützt Körperwahrnehmung, Orientierung und Bindung.
Berührung wirkt nicht durch Technik,
sondern durch Qualität.
Durch Achtsamkeit.
Durch Präsenz.
Es geht nicht darum, wie viel berührt wird,
sondern wie.
Im Alltag geschieht Berührung oft nebenbei.
Beim Anziehen.
Beim Trösten.
Beim Spielen.
Manchmal wird sie funktional.
Schnell. Zielgerichtet.
Ein kurzer Moment des Innehaltens kann hier viel verändern.
Ein bewusster Griff.
Ein Warten auf Zustimmung.
Ein Loslassen, wenn es nicht passt.
Berührung darf Beziehung sein –
kein Mittel zum Zweck.
Lasst uns einmal Weiterdenken:
Wie fühlt sich Berührung an,
wenn sie nicht etwas bewirken soll,
sondern einfach da sein darf?
Berührung braucht kein Ziel.
Sie braucht Aufmerksamkeit.
Und manchmal ist das Wertvollste,
die Hände bei sich zu behalten
und Raum zu lassen.
Dieser Gedanke begleitet auch meine Arbeit in der Babymassage und in der bindungsorientierten Begleitung von Familien.